Die jüngste Eskapade lieferten Vizekapitän Federico Valverde und Aurélien Tchouaméni mit ihrem folgenschweren Kabinenzoff. Gleich doppelt flogen zwischen den beiden Streithähnen in der Vorbereitung auf das Highlightspiel am Sonntag (21.00 Uhr/DAZN) die Fetzen. Beim zweiten Mal ging es nicht gut aus. Valverde zog sich bei einem Sturz eine Kopfverletzung zu, musste genäht werden und verpasst mit einem Schädel-Hirn-Trauma den Clásico.
Der Verein teilte überraschend freimütig mit, ein Disziplinarverfahren gegen beide Spieler eingeleitet zu haben. Ausgang offen. Und auch Valverde räumte am Donnerstagabend die "Meinungsverschiedenheit" ein. Von einer Schuld Tchouaménis wollte der Uruguayer in einem pathetisch anmutenden Instagram-Post allerdings nichts wissen.
Nicht die erste Entgleisung bei Real
"Mein Mitspieler hat mich zu keinem Zeitpunkt geschlagen, und ich habe das ebenfalls nicht getan", schrieb er. Und auch: "Während der Diskussion stieß ich versehentlich gegen einen Tisch und zog mir dabei eine kleine Schnittwunde an der Stirn zu." So so.
Tischplatte oder Tchouaméni? Das ist aber eigentlich auch nicht die Frage. Denn was ohnehin bleibt, ist das bedenkliche Bild, das Real im Jahr 2026 abgibt und zu dem auch Antonio Rüdiger beiträgt. Schon im April war der Nationalspieler Medienberichten zufolge mit Mitspieler Álvaro Carreras aneinandergeraten, weshalb er sein Team als Wiedergutmachung vergangene Woche zum Lunch einlud. Eine Teambuilding-Maßnahme, die offensichtlich verpuffte.
Die gut vernetzte Zeitung Marca schreibt inzwischen von der "großen Krise" und "unerträglicher Atmosphäre" im Verein. Der Valverde-Tchouaméni-Zoff ist der vorläufige Tiefpunkt einer Seuchensaison. Eine, die spätestens mit der Trennung vom Leverkusener Meistertrainer Xabi Alonso, der wohl einer internen Intrige zum Opfer fiel, begann; die sich mit dem teils unwürdigen Auftreten nach dem Aus in der Champions League gegen Bayern München fortsetzte, und die nun in einer historischen Demütigung gipfeln könnte.
Barcelona besonders motiviert
Noch nie ist es Barcelona in der 124 Jahre langen und 263 Pflichtspielen reichen Clásico-Geschichte gelungen, mit einem Sieg gegen den Rivalen die Meisterschaft perfekt zu machen. Real selbst schaffte das Kunststück 1932, und will nun zumindest das Schlimmste verhindern. Der Titel, das weiß auch Coach Álvaro Arbeloa, ist wohl so oder so futsch. Selbst im Falle eines Erfolgs wären die Königlichen drei Spieltage vor Schluss noch acht Punkte zurück. Die insgesamt fünfte Saison ohne Titel im laufenden Jahrtausend ist so gut wie sicher.
Flick und seine hochveranlagte Mannschaft dürften sich hingegen den Trostpreis schnappen. Nach dem bitteren Champions-League-Aus und der Pokalpleite jeweils gegen Atlético Madrid will man den "ehrlichsten" Titel des Jahres bejubeln. Am liebsten natürlich zu Hause. Im Camp Nou. Gegen den taumelnden Rivalen. "Für mich ist das Wichtigste, die Liga zu gewinnen", sagte Offensivspieler Raphinha. "Und wenn es gegen sie sein muss, dann umso besser."